14.06.2019

von B° RB

Sieben Kisten mit jüdischem Material

Museum für Franken Würzburg: Sieben Kisten mit jüdischem Material - Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute

Ausstellung: Sieben Kisten mit jüdischem Material

Die Ausstellungskooperation zwischen dem Jüdischen Museum München und dem Museum für Franken zeigt rund 150 Ritualgeräte, die aus unterfränkischen Synagogen stammen und von einem regen jüdischen Leben künden, das mit der Schoa ausgelöscht wurde.

Die präsentierten Objekte wurden im Zuge der digitalen Erfassung des gesamten Sammlungsbestandes 2016 im Depot des Museums für Franken wiederentdeckt und durch Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums München, gesichtet und erforscht. Er konnte die Herkunft einzelner Objekte aus den Synagogen in Arnstein, Ebelsbach, Gochsheim, Heidingsfeld, Miltenberg, Schweinfurt und Würzburg nachweisen. Dort waren sie im Zuge des November-Pogroms 1938 von Vertretern des nationalsozialistischen Regimes geraubt worden. Wie sie in das damalige Mainfränkische Museum gelangten, ist nicht vollständig geklärt. Ihr teilweise fragmentierter Zustand weist daraufhin, dass sie schon vor der Zerstörung des alten Museumsgebäudes 1945 dorthin kamen.

1947 sollte das Museum das in damaligen Quellen als „sieben Kisten mit jüdischem Material" bezeichnete Raubgut dem Offenbach Archival Depot übergeben, in dem die US-Army während der NS- Zeit beschlagnahmten jüdischen Besitz sammelte. Ein Teil des Beschlagnahmungsguts blieb jedoch im Würzburger Museumsdepot zurück. Die Ausstellung gliedert sich in vier Abschnitte: Einleitend wird die Geschichte des Fränkischen Luitpold-Museums, seit 1939 in Mainfränkisches Museum benannt, dargestellt, in dem die „kunst- und kulturgeschichtlichen Denkmale der Israeliten in Franken" von Beginn an ihren Platz hatten. Im nächsten Teil wird mit einem langen Lagerregal, in dem sich die nicht eindeutig einer Gemeinde zuzuweisenden Objekte befinden, ihre Auffindesituation im Museumskeller nachgestellt und die Vielgestaltigkeit des Konvoluts vor Augen geführt. Es schließt sich eine eindrucksvolle Präsentation der Objekte an, die den genannten unterfränkischen Synagogen zugeordnet werden können. Schließlich wird an die vollständige Auslöschung jüdischen Lebens in Unterfranken durch die Nationalsozialisten erinnert.

Nicht nur die Exponate, beispielsweise wertvoller Tora-Schmuck, Chanukka-Leuchter und Schabbat-Lampen sind Gegenstand der Ausstellung, sondern es werden die Geschichten hinter den Exponaten, die Historie der jüdischen Gemeinden und die Biographien der Stifter einzelner Ritualgegenstände erzählt. Viele wurden von den Nationalsozialisten ermordet, anderen gelang die Rettung in die Emigration. An sie und die ihnen so kostbaren Gegenstände will diese Ausstellung erinnern.

Die Ausstellung wurde durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gefördert und unterstützt von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern.

Katalog zur Ausstellung

"Sieben Kisten mit jüdischem Material"

Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute Jüdisches Museum München, Museum für Franken (Hg.), Hentrich 8: Hentrich Verlag, Berlin Leipzig 2018,

320 Seiten, 29,80 Euro

ISBN: 978-3-95565-276-0.

VERANSTALTUNGEN

IM MUSEUM FÜR FRANKEN

Sonntag, 16. Juni, 14.30 Uhr

Sonntagsspaziergang „Sieben Kisten mit jüdischem Material"

Öffentliche Führung zur Sonderausstellung mit Museumsleiterin Dr. Claudia lichte.

Montag, 24. Juni, 19 Uhr

Podiumsdiskussion

„Jüdische Objekte in Museen – Sammeln, Bewahren und Ausstellen gestern und heute" mit Bernd Sibler, Mdl, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst; Christian Schuchardt, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg; Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland; Bernhard Purin, Direktor Jüdisches Museum München und Claudia lichte, Museumsleiterin Museum für Franken. Moderation: Barbara Markus, BR.

Im Anschluss an die Diskussion lädt das Museum zum Empfang. Begrenzte Teilnehmerzahl! Anmeldung bis 19. Juni unter 0931/205940 oder per Mail an info@museum-franken.de dringend erforderlich.

Freitag, 12. Juli, 16 Uhr

Expertenführung „Raubkunst im Museum für Franken?"

Öffentliche Führung zur Provenienzforschung mit Museumsleiterin Dr. Claudia lichte.

Sonntag, 15. September, 14.30 Uhr

Sonntagsspaziergang „Sieben Kisten mit jüdischem Material"

Öffentliche Führung mit Kurator Bernhard Purin, Direktor Jüdisches Museum München.

Donnerstag, 26. September, 19 Uhr

Vortrag „Torawimpel der jüdischen Gemeinde Aschaffenburg - Eine Entdeckung und ihre Nachwirkungen"

Vortrag von Anja Lippert, Museen der Stadt Aschaffenburg, in der Schönbornhalle des Museums für Franken. Kostenfrei.

Sonntag, 20. Oktober, 14.30 Uhr

Sonntagsspaziergang „Sieben Kisten mit jüdischem Material"

Öffentliche Führung mit Kurator Bernhard Purin, Direktor Jüdisches Museum München.

VERANSTALTUNGEN: ANDERSH VU

Sonntag, 7. Juli 2019, 14 Uhr

Jüdisches Kulturmuseum und Synagoge Veitshöchheim

Führung durch die neue Ausstellung unter dem Motto

„Schauplatz Dorf", die zeigt, wie die jüdische Gemeinde Veitshöchheim in der dörflichen Umgebung lebte. Treffpunkt ist in der Thüngersheimerstraße 17, 97209 Veitshöchheim.Anmeldungen per Mail an kultur@veitshoechheim.de. Kostenfrei!

Sonntag, 21 Juli, 15 Uhr

Stadtrundgang „Jüdisches Leben in Würzburg"

Auf Spurensuche mit Dr. Roland Flade an Orten jüdischen Lebens.

Fachkundig geleiteter, 90-minütiger Rundgang durch die Stadt.

Treffpunkt ist am Domvorplatz, Domstraße 40, 97070 Würzburg. Anmeldungen unter Tel. 0931-2059439 oder per Mail an info@museum-franken.de.

Sonntag, 4. August, 15 Uhr

Ehemalige Synagoge Arnstein

Führung durch die Dauerausstellung über jüdische Kultur in Arnstein und die historische Synagoge. Treffpunkt ist in der Goldgasse 28, 97450 Arnstein. Anmeldungen per Telefon unter Tel. 09363-1743 oder per Mail an r.e.metz@t-online.de. Kostenfrei!

Sonntag, 18. August, 15 Uhr

Streifzug über den jüdischen Friedhof

Führung über den seit 1882 bestehenden Friedhof der Israelitischen Gemeinde Würzburg, mit Erläuterungen über das jüdische Bestattungswesen dieser Gemeinde.

Treffpunkt am Eingang zum Friedhof in der Werner-von-Siemens-Straße 2, 97076 Würzburg. Männliche Besucher bitte mit angemessener Kopfbedeckung. Keine Anmeldung notwendig, die Teilnahme ist kostenfrei!

Mo., 16. September, 20 Uhr

„In meinem Herz ist ein Museum“ – Lesung in der Buchhandlung Knodt

Amade Esperer und Elisabeth Stein-Salomon lesen Lyrik und Prosa von Jehuda Amichai. Zwischen anregender Nachdenklichkeit und humoristischer Satire taucht das Publikum in die vielschichtige Erzählkunst des in Würzburg geborenen Schriftstellers und Dichters ein.

Lesung in der Buchhandlung Knodt, Textorstraße 4, 97070 Würzburg.

Anmeldungen unter Tel. 0931-52673 oder per Mail an info@knodt.de. Die Teilnahme ist kostenfrei!

Montag, 23. September, 18.30 Uhr

Filmabend „Im Land des Vergessens - Erinnerungen an jüdisches Leben in Unterfranken"

Die Dokumentation „Im Land des Vergessens" (1985) von Gabriel Heim ist eine Annäherungen an das jüdische Leben in Bayern vor der Schoa. Heim begibt sich auf die Spur ehemaliger jüdischer Landgemeinden und porträtiert aus der Emigration zurückgekehrte jüdische Unterfranken. Einführung durch Dr. Roland Flade.

Kino Central im Bürgerbräu, Frankfurter Straße 87, 97082 Würzburg. Reservierung unter Tel. 0931-780 110 57 oder online unter www.central-bb.de.

Montag, 7. Oktober, 18 Uhr

Die Würzburger Synagoge und das Jüdische Museum Shalom Europa heute

Öffentliche Führung durch Museum und Synagoge.

Treffpunkt im Shalom Europa, Valentin-Becker-Str. 11, 97072 Würzburg. Anmeldungen unter Tel. 0931-4041441. Eintritt: 2 €.

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