29.06.2017

von B° RB

Max Dauthendey zum 150. Geburtstag

Zeichnungen und Aquarelle. Kabinettausstellung in Würzburg, 1. bis 30. Juli 2017

M. Dauthendey, Wasserfall von Amboina, 4. Juli 1914, Aquarell und Bleistift

Zum 150. Geburtstag des in Würzburg geborenen Dichters Max Dauthendey präsentiert das Museum im Kulturspeicher eine kleine Auswahl seines malerischen Schaffens mit 14 Werken. Neben einigen früheren Zeichnungen liegt der Akzent dabei auf den Aquarellen, die er in den Jahren 1914 bis 1917 malte. Dauthendey, der im April 1914 mit dem Norddeutschen Lloyd zu seiner zweiten Weltreise aufgebrochen war, konnte nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. Er verbrachte seine letzten Jahre zwangsweise auf Sumatra und Java, wo er am 29. August 1918 starb.

Fakten
Max Dauthendey zum 150. Geburtstag – Zeichnungen und Aquarelle

Kabinettausstellung, 1. bis 30. Juli 2017, Kulturspeicher Würzburg

„Es sind meine Bilder, Bilder, wie ich sie aus der Erinnerung nach erregt Gesehenem auf der Reise als Notizen für spätere Bücher male. Mehr wollen sie nicht sein als – meine Bilder.“ So notierte Max Dauthendey am 26. Januar 1915 in sein Tagebuch. Er reagierte damit auf eine Besprechung einiger seiner Aquarelle, die in einer Ausstellung in Medan auf Sumatra zu sehen waren, im „Deli-Courant“. Der Rezensent hatte sie mit „impressionistisch-futuristisch“ umschrieben und sprach damit sowohl locker hingetupfte Aquarelle als auch dynamisch wirkende, oft ornamentale Kompositionen an, wie sie sich im malerischen Werk Dauthendeys gleichermaßen finden. Verschiedenste stilistische Einflüsse lassen sich in den Bildern von Dauthendeys „Letzter Reise“ ausmachen: Die ornamentale Flächengliederung verrät den Einfluss der Kunst Gauguins und der französischen Künstlergruppe der Nabis ebenso wie die Begeisterung Dauthendeys für den japanischen Farbholzschnitt – beides ist schon in frühen Blättern des Maler-Dichters wie dem Hund Flock oder in der Landschaft seiner einzig erhaltenen Lithografie präsent. Eine teilweise expressive, antinaturalistische Farbgebung und ganz allgemein das Interesse an außereuropäischen Kulturen verbindet Dauthendeys Malerei mit dem deutschen Expressionismus, und oftmals findet sich eine fast impressionistisch wirkende, locker hingesetzte Leichtigkeit. 

Das Zitat Dauthendeys zu seiner Malerei zeigt jedoch, dass ihm an einer stilistischen Einordnung seines Werkes wenig gelegen war. Es ging ihm darum, ganz persönliche Eindrücke von „erregt Gesehenem“ festzuhalten. Wie intensiv dieses Sehen war, lässt sich erahnen, wenn man bedenkt, dass er seine Bilder oft erst Tage nach dem tatsächlichen Augeneindruck malte. Die Bewohner der von ihm bereisten Inseln, vor allem Javas und Sumatras, wurden in Kleidung, Haltung und Ausdruck genau festgehalten, ebenso Landschaft, Architektur oder volkstümliche Bräuche. In dieser detailgenauen Dokumentation zeigt sich dann auch wieder der Zweck der Bilder, den Dauthendey im obigen Zitat nennt: „Notizen für spätere Bücher“ zu sein. So erfüllen die Bilder ihre dokumentarische Aufgabe und sind gleichzeitig Ausdruck einer hoch aufnahmefähigen, neugierigen, intensiven Persönlichkeit, wie sie auch aus Dauthendeys Texten spricht. 

Die hier ausgestellten Zeichnungen und Bilder zeigen, dass Max Dauthendey eine echte Doppelbegabung war. Wenngleich als Maler Dilettant, verraten die erhaltenen Blätter neben der beeindruckenden Beobachtungsgabe ein sensibles künstlerisches Empfinden für Farbe, Form und Komposition. In seinem autobiographischen Buch „Der Geist meines Vaters“ berichtet Dauthendey, dass er in seiner Jugend Maler werden wollte. Dass er nicht die Kraft dazu fand, sich mit diesem Berufswunsch gegen seinen strengen Vater durchzusetzen, deutete er als Zeichen, dass dies eben, anders als die Dichtkunst, nicht seine Berufung gewesen sei. Und doch blieb die Malerei ein wichtiger Teil seines Lebens. Seine Frau Annie erinnerte sich: „Wenn mein Mann malte, sah er beglückt und eifrig aus wie ein Kind, wenn es mit seinen eben geschenkten Weihnachtssachen spielt. Seine Malerei ist ein wichtiger, wesentlicher Teil seines Schaffens und seine Bilder vermitteln gut sein warmes, reiches Wesen, seine Unmittelbarkeit und Natürlichkeit. Er selbst strahlte Innigkeit aus und davon zeugen seine Bilder.“

Über 300 Bilder ihres Ehemannes bewahrte Annie Dauthendey auf, davon etwa 100, die Dauthendey in seinen letzten Lebensjahren auf Java und Sumatra malte. Der allergrößte Teil davon ging im Krieg verloren – nur 19 Aquarelle der „Letzten Reise“ blieben in Schweizer Privatbesitz erhalten und konnten 1989 von der Städtischen Sammlung erworben werden. Das Museum im Kulturspeicher besitzt damit einen seltenen Schatz.

Max Dauthendey und Gertraud Rostosky

Die in der Vitrine ausgestellten Briefe und Fotos Dauthendeys stammen aus dem Nachlass der Würzburger Malerin Gertraud Rostosky, der dieser Raum gewidmet ist. Beide kannten sich bereits aus der Kindheit – Rostoskys Mutter und Dauthendeys ältere Schwester waren innig miteinander befreundet. Zeit ihres Lebens verband den Dichter und die Malerin eine nicht immer einfache, aber tiefe Freundschaft, einige Jahre lang auch ein Liebesverhältnis. Die „Neue Welt“, das auf dem Nikolausberg gelegene Hofgut der Rostoskys, war Dauthendeys eigentliche Heimat, wo er in Zeiten der Krise Ruhe und Erholung fand. Auch finanziell wurde der Dichter immer wieder von seiner Freundin unterstützt, die bedingungslos an sein Künstlertum glaubte. Er seinerseits bestärkte sie, in ihrer Malerei ihren eigenen Weg zu gehen und setzte sich bei ihrer Familie dafür ein, dass sie Malerin werden dürfe. Vor allem aber war es sein Verständnis für ihre Kunst, die Rostosky beflügelte: „… noch nichts hat mir so viele Freude an meiner ‚Malung‘ gegeben wie Deine ‚Fühlung‘ für meine Bilder“, schrieb sie ihm im Sommer 1908. 

So stammt auch eine der treffendsten und schönsten Beurteilungen ihrer Malerei aus einem Brief von Max Dauthendey: „Man trägt Deine Bilder im Geiste herum und wird nicht fertig mit ihnen. Man arbeitet an ihnen weiter und nur solch ein Werk, das zum Weiterarbeiten anregt, und das man niemals auswendig lernen kann, das ist das Werk einer echten Kraft … Jedes wirkliche Kunstwerk muß etwas alleinstehendes, ganz auf sich Beruhendes haben, und das haben alle Deine Bilder.“

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