05.02.2016

von Mainfränkisches Museum B° RB

Kunst verbindet und bringt ins Gespräch

Flüchtlinge aus der Ukraine und aus Armenien entdecken 
bei einer Familienführung das Mainfränkische Museum in Würzburg

Flüchtlinge aus der Ukraine und aus Armenien entdecken im Mainfränkischen Museum die Kunst und Kultur aus der Region

"Könnt Ihr uns etwas über die Burg da oben erzählen?" Mit dieser Frage konfrontierten Flüchtlinge aus der Ukraine ehrenamtliche Helfer. Denn Tag für Tag hatten sie aus ihrer Unterkunft in der Zellerau auf die Festung Marienberg geblickt, sich gefragt wer dort wohl einst gewohnt hatte und was in den alten Gemäuern heute zu sehen ist. „Kunst verbindet und bringt ins Gespräch. Somit ist ein Museum ein guter Ort zur interkulturellen Annäherung und Integration“, sagt Dr. Claudia Lichte. Und so war es für die Leiterin des Mainfränkischen Museums selbstverständlich,  auf die Anfrage der Ehrenamtlichen sofort zu reagieren. 

Das Museumsteam organisierte innerhalb weniger Tage eine Familienführung durchs Haus, finanziert wurde diese mit einer zweckgebundenen Spende des Zonta Clubs Würzburg Electra. Studenten der Slawistik  aus Würzburg übersetzten die deutschsprachige Führung für rund 25 Männer, Frauen und Kinder aus der Ukraine sowie aus Armenien ins Russische. „Mir ist die Willkommenskultur ein Herzensanliegen. Ich war selbst viel im Ausland und habe diese dort ebenfalls erfahren“, sagt Studentin Sarah Schumayer.

Begegnungen mit Würzburgs Fürstbischöfen, mit den Stadtheiligen Kilian, Kolonat und Totnan, mit Bildhauer Tilmann Riemenschneider und mit allerlei Kuriosem aus der Stadtgeschichte - wie die Ereignisse um die Würzburger Lügensteine - stehen auf dem Programm. Gästeführerin Evelyne Sava gestaltet die Familienführung spielerisch – und daran haben nicht nur die Kinder, sondern vor allem auch die erwachsenen Teilnehmer aus Osteuropa große Freude, schlüpfen zum Beispiel in barocke Perücken und Ritterhelme. Eine ältere Dame aus Armenien, einst Bibliothekarin an der Universität, zieht immer wieder kunsthistorische Vergleiche zu Osteuropa. Frage über Frage wird gestellt, wird beantwortet. „So interaktiv erlebe ich Führungen selten, alle machen mit,  sind superinteressiert und es kommt ganz viel Input“, sagt Gästeführerin Sava. Schnell kommen Begleiter und Flüchtlinge ins Gespräch, verleben gemeinsam einen spannenden, unterhaltsamen Vormittag. 

Ein kulturhistorisches Museum wie das unsere kann Brücken schlagen zwischen unterschiedlichen Kulturen. Genau genommen bauen die Kunstwerke die Brücke“, sagt Museumspädagogin Veronika Genslein.

Die Exponate im Mainfränkischen Museum erzählten Geschichte und Geschichten von Krieg, Macht und Zerstörung, aber auch von Hoffnung, Wiederaufbau, blühenden Gesellschaften, Frauenbildern, Glauben und Aufklärung. Zudem seien sie ein Spiegel regionaler Kultur. 

Das Interesse daran ist bei der russischsprachigen Führung riesig – eineinhalb Stunden sind angesetzt, letztendlich verlassen die Familien das Museum erst wieder nach fast zweieinhalb Stunden. „Danke, danke, danke. Das war für mich ein großer Traum“, bedankt sich im Anschluss eine Mutter aus der Ukraine beim Organisationsteam. 

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