30.07.2014

von B° DP

(Quelle: Siebold Museum)

Japans Rolle zu Beginn des 1. Weltkriegs

Sonderausstellung zu einem brisanten Thema - zu sehen bis zum 26. Oktober 2014 im Siebold-Museum in Würzburg

Die guten Beziehungen zwischen Japan und Deutschland, die sich seit 1860/61 "offiziell" entwickelt hatten, wurden 1895 empfindlich beeinträchtigt. Für den späteren Angriff auf das deutsche Pachtgebiet Kiautschou (1914) liegen die Gründe schon in der Zeit des Chinesisch-Japanischen Krieges (1894/95) und dessen Auswirkungen. Zusammen mit Frankreich und Russland hatte das Deutsche Reich seinerzeit durch die sog. "Triple-Intervention" die Japaner daran gehindert, größere Teile chinesischen Territoriums an sich zu bringen. Die harsche Vorgehensweise der deutschen Diplomatie kränkte Japan damals tief, worauf es sich bald an Großbritannien anschloss (1902). Der Japanisch-Russische Krieg 1904/1905 brachte für Japan trotz seines Sieges nicht die volle Erfüllung seiner Gebietsansprüche. Erfolge bei der Annexion Formosas und Koreas zeigten einen Weg auf, der unter Nutzung des englischen Bündnisses letztlich dazu führte, 1914 in den 1. Weltkrieg einzutreten. Dem Vormarsch der Japaner auf dem Festland und in der pazifischen Inselwelt (Mikronesien) hatte Deutschland wenig entgegenzusetzen. Der nur kurze Widerstand führte dazu, dass Japan auf die Unterbringung der Gefangenen lediglich unzulänglich vorbereitet war; die anfänglichen behelfsmäßigen Lager wurden aber nach und nach durch neue Barackenbauten ersetzt, in welchen es den Deutschen und den mitgefangenen Kameraden aus Österreich und Ungarn insgesamt dann ver¬gleichsweise gut ging. Die Verhältnisse in den Lagern waren ausgerichtet nach den Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung, die von der Signatarmacht Japan auch – je nach Lager – mehr oder weniger beachtet wurden. Von der kriegsvölkerrechtlich gegebenen Möglichkeit, die gefangenen Unteroffiziere und Mannschaften zum Arbeitseinsatz heranzuziehen, machten die Japaner keinen Gebrauch. Probleme zeigten sich jedoch bei der Ausübung der Disziplinargewalt, da Verstöße oft unverhältnismäßig hart geahndet wurden. Es gab in Japan während des Krieges keine "Feindgesetzgebung", d.h. deutsche Zivilpersonen konnten sich weiterhin frei bewegen und sich dadurch verstärkt um Ihre im Land gefangenen Landsleute kümmern.

Nicht vergessen werden sollte als Ergebnis dieses Zeitraums der Kulturtransfer wie beispielsweise auf dem Musiksektor mit der Erstaufführung von Beethovens 9. Symphonie, der Aufführung von klassischen Schauspielen und Literatur. Tiefe Spuren bis in die Gegenwart hinterließen die zahlreichen kulinarischen Genüsse wie z.B. deutsche Back- und Fleischwaren. Auch die Vielfalt der europäischen Sportarten wurde in Japan durch die Ausübung in den verschiedenen Kriegsgefangenenlagern teilweise erstmals und dann nachhaltig bekannt. Besondere Bewunderung fanden bzw. großen Eindruck hinterließen die einzelnen Kunst- und Gewerbeschauen, die sogar von Mitgliedern des Kaiserhauses besucht wurden.

Die Ausstellung wird vom 01.08. bis 26.10. im Obergeschoss des Siebold-Palais gezeigt, jeweils Dienstag mit Sonntag von 14.30 - 17.30 Uhr. Sondervereinbarungen sind möglich.

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