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Zum Geburtstag
Balthasar Neumann - ein Genie auf dem zweiten Bildungsweg - wurde am 27. Januar vor 325 Jahren geboren.Europa hat ihm einige der schönsten und berühmtesten Werke der Barockarchitektur zu verdanken: Balthasar Neumann. Am 27. Januar vor 325 Jahren wurde der geniale Baumeister im böhmischen Eger (Cheb) geboren. Er schuf die Treppenhäuser der Schlösser in Bruchsal und Brühl, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und die Abteikirche Neresheim. Am berühmtesten ist aber wohl sein Lebenswerk, die Würzburger Residenz. Sowohl Schloss Augustusburg in Brühl wie auch die Residenz in Würzburg, die von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreut wird, stehen heute auf der exklusiven UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Eine so ruhmreiche Karriere konnte niemand vorhersehen, als Balthasar Neumann am 30. Januar 1687, vermutlich am dritten Tag nach seiner Geburt, als siebtes Kind eines Tuchmachers getauft wurde. Es war sein Wissensdurst und Ehrgeiz, der ihn auch nach der Lehrzeit in Eger als Glocken- und Geschützgießer nicht ruhen ließ. Er ging auf Wanderschaft nach Würzburg, wo er 1711 den Lehrbrief der "Büchsenmeister-Ernst- und Lustfeuerwerkerey" erwarb.
Die Heimatstadt half trotz leerer Kassen mit einem Stipendium
Ein Jahr später trat der junge Neumann bei der fränkische Kreisartillerie in den Militärdienst ein. Nur dort hatte ein mittelloser Handwerker wie er die Chance, sich in der "Militär- und Zivilbaukunst", sprich als Ingenieur und Architekt, weiterzubilden. Auf diesem zweiten Bildungsweg förderte ihn der Rat seiner Geburtsstadt Eger, der ihm trotz der "gegenwärtigen geldklemmen Zeiten" ein Darlehen von rund 100 Gulden als Stipendium gewährte.
Eine Investition, die sich lohnen sollte: Neumann machte eine glänzende Karriere. Beim Militär stieg er vom gemeinen Soldaten bis zum Oberst auf. Als Architekt trat er bald in fürstbischöfliche Dienste. Beides ermöglichte ihm schon nach zehn Jahren die komplette Rückzahlung des Stipendiums.
Ein riesiges Projekt wird dem unerfahrenen jungen Architekten anvertraut
Der neu gewählte Fürstbischof von Würzburg, Johann Philipp Franz von Schönborn, legte 1720 den Grundstein für den Neubau einer repräsentativen Stadtresidenz. Es sollte sich als Glücksgriff erweisen, dass er den jungen, als Architekt noch wenig erfahrenen Ingenieurhauptmann Neumann mit der Leitung dieses riesigen Bauvorhabens betraute. Neumann erfüllte alle in ihn gesetzten Erwartungen sowohl als Bauleiter wie auch als Planungskoordinator und selbständig entwerfender Architekt aufs Beste.
Ein Gesamtkunstwerk entsteht
Neumann wetteiferte während der Bauzeit der Würzburger Residenz mit dem Mainzer Hofbaumeister Maximilian von Welsch und dem kaiserlichen Hofbaumeister Lukas von Hildebrandt in Wien, deren Entwürfe er teilweise in die eigenen Planungen integrierte. Auf einer Studienreise nach Paris 1723 suchte er zudem den Rat der führenden Architekten Frankreichs, Robert de Cotte und Germain Boffrand. 1744 konnte das Richtfest der Residenz Würzburg gefeiert werden. "Das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser" – so das Urteil der UNESCO 1981 – war im Rohbau fertig gestellt.
Als Neumann am 19. August 1753 in Würzburg starb, war die Residenz auch im Inneren weitgehend vollendet. Im gleichen Jahr signierte Giovanni Battista Tiepolo das weltberühmte Deckenfresko über dem Treppenhaus Neumanns, den er dort in nachdenklicher Pose, auf einem Kanonenrohr sitzend, dargestellt hat. Bis vor zehn Jahren existierten in Deutschland noch Zigtausend kleinere Porträts von Balthasar Neumann: Sie zierten die letzte Auflage der 50-Mark-Scheine.
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