11.11.2015

von LTTA - Lernen durch die Künste e.V. B° RB

Beängstigende Lernerfolge

14 Künstler und Lehrkräfte aus dem LTTA-Projekt erhielten ihre Urkunden überreicht

Urkundenübergabe an die unterfränkischen Lehrkräfte mit Dominik Blank (1.v.l.), Abteilungsdirektor Gustav Eirich (4.v.l.) und Dr. Petra Weingart (6.v.l.)

Schritt für Schritt geht es in den dunklen Keller hinunter – oh Mann, ist das unheimlich! Plötzlich schimmert ein Lichtschein auf. Das mulmige Gefühl verstärkt sich. Angst lässt das Herz rasen. Da – ein Schrei! „Was für ein Gefühl kommt jetzt wohl auf?“, fragt Schauspielerin Petra Hoffmann in die Klasse. Die Kinder, die mit Petra Hoffmann lernen, eine Gruselgeschichte zu schreiben, denken konzentriert nach. Was die Person aus der Geschichte jetzt fühlt, ist mehr als Angst. Das ist schon echte Panik.

„Learning Through The Arts“ (LTTA) heißt das von der Regierung von Unterfranken, dem Zentrum für Lehrerbildung der Universität Würzburg und der Robert-Bosch-Stiftung unterstützte Programm, das Künstlerinnen und Künstler wie Petra Hoffmann mit Lehrern und Schülern in Kontakt bringt. Auch bereits Studierende aller Lehrämter lernen LTTA durch ein Seminarangebot des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) kennen. Seit neun Jahren existiert es in Würzburg. Viele Lehrerinnen und Lehrer sowie zahlreiche Künstlerinnen und Künstler durchliefen inzwischen das Ausbildungsprogramm. Einmal jährlich bekommen die neuen Modul-Absolventen bei einer Feierstunde im Würzburger Museum am Dom ihr Zertifikat überreicht. Neben Petra Hoffmann erhielten am Donnerstag die Bildende Künstlerin Barbara Mahler sowie zwölf Lehrerinnen aus der Region ihre Urkunden.

„LTTA ermöglicht durch das Einbeziehen aller Sinne ein wirklich nachhaltiges Lernen“, betonte Abteilungsdirektor Gustav Eirich von der Regierung von Unterfranken, der die Urkunden an die Lehrerinnen überreichte. Vor fünf Jahren hatte Eirich persönlich Gelegenheit, praktische Unterrichtsbeispiele mit kanadischen LTTA-Künstlern zu besuchen. „Es gelang den Künstlern durch diese Unterrichtsform, die Schüler in hohem Maße zu motivieren. Ganz nebenbei wurden aber auch die geplanten Unterrichtsziele erreicht“, beobachtete er. Das habe ihn beeindruckt. Die Regierung von Unterfranken werde das in der Region von Dr. Petra Weingart koordinierte Projekt LTTA auch weiterhin fördern.

Mit Gestik und Pantomime verdeutlicht LTTA-Künstlerin Petra Hoffmann Grundschülern, wie man einen Spannungsbogen in eine Geschichte hineinbringt. Gleichzeitig sorgt sie auf künstlerische Weise dafür, dass der Wortschatz der Kinder nach und nach erweitert wird. Was gibt es alles für Wörter, die „Angst“ ausdrücken? Welche Stufen der Angst sind denkbar?

Auch bei Barbara Mahler, die Teile ihrer Ausbildung im LTTA-Ursprungsland Kanada absolviert hat, geht es nicht selten um Worte: „Zum Beispiel um starke Adjektive wie ‚wild’, ‚sanft’ oder „zornig’.“ Anhand von Porträts expressionistischer Künstler, allen voran Emil Nolde und Picasso, lässt sie Kinder darüber nachdenken, wie sich eine Farbe „anfühlt“. Was empfindet wohl ein Mensch, dessen Porträt stellenweise in dunklem Blau gehalten ist? Was drückt eine „speigrüne“ Farbe in einem Porträtbild aus? Barbara Mahler fungiert jedoch nicht nur als LTTA-Künstlerin. Sie engagiert sich darüber hinaus als „Mentor-Artist“ in dem Programm, das Künste in die Schule bringt. Dafür erhielt sie denn auch am Donnerstag ihr Zertifikat. „Ich organisiere Präsentationen für Eltern, Lehrerkollegen und Sponsoren und berate und begleite LTTA-Künstler, die noch ganz am Anfang stehen“, erzählt sie.

Besonders aktiv sind LTTA-Künstler und LTTA-Lehrkräfte in Karlstadt im Kreis Main-Spessart. Hier startete vor drei Jahren ein Projekt namens „Schullabor“, an dem das Karlstädter Gymnasium, die Realschule Arnstein, die Mittelschule sowie das Förderzentrum Karlstadt- Gemünden beteiligt sind. Ziel ist es, gemeinsame LTTA-Projekte zu realisieren.

Dies gelang hervorragend unter dem Motto „Herzflimmern“. In den verschiedenen Schularten ging es in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Biologie um das Herz. In der Mittelschulklasse von Kathrin Sterr etwa wurden Blutkreislauf und Aufbau des Herzens unter der Regie von Dominik Blank, künstlerischer Leiter des LTTA-Projekts, tänzerisch dargestellt. Selbst der gar nicht so unkomplizierte Gasaustausch im Lungenflügel konnte mit den Mitteln des Tanzes anschaulich gemacht werden.

„LTTA soll in unserer Schule ein Prinzip werden“, betonte Mittelschulrektorin Marion Ulrich am Donnerstag im Vorfeld der Preisverleihung. Von dieser Form des gemeinsamen Unterrichts von Lehrkräften und Künstlern profitieren nach ihrer Aussage ganz besonders Schülerinnen und Schüler, denen es schwer fällt, sich Lerninhalte rein kognitiv zu erschließen. Große Erfolge gebe es gerade in Mathematik: „Schüler mit wenig ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen haben durch LTTA zum Beispiel endlich begriffen, Volumen und Fläche einer Pyramide nicht mehr zu verwechseln.“

Folgende Lehrerinnen absolvierten die aus neun Modulen bestehende Fortbildung und erhielten am Donnerstag ihre Urkunde: Petra Grossmann (Grundschule Würzburg-Lengfeld), Uschi Kosmitzki, (Grundschule Höchberg), Sabine Weiss (Grundschule Werneck), Gabriele Katzenberger und Heike Schulz (beide Auen-Mittelschule Schweinfurt, Katrin Graf (Staatliche Realschule Schonungen), Lucia Bühler-Scholz und Kathrin Sterr (beide Konrad-von-Querfurt Mittelschule Karlstadt), Bettina Brönner, Angelika Schmid-Menth Eva Rappöhn (alle drei Leo- Weismantel-Förderzentrum Karlstadt) sowie Sabine Rausch (Michael-Ignaz-Schmidt-Realschule Arnstein).

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