Kleines Stadtportrait

Wer, wie oder was ist Würzburg?

Würzburg ist magisch. Alljährlich zieht es Massen an Menschen in die unterfränkische Metropole, deren einmalige Lage am Main wohl jeden Besucher in ihren Bann ziehen muss. Wie in Heidelberg, Rothenburg oder Bamberg lässt sich ein Vielvölkergemisch an Besuchern beobachten. Warum nur?

Es ist das Zusammenspiel zwischen Natur und aus Stein und Wein gebauter Kultur, das in Würzburg eine harmonische Verbindung eingeht wie in kaum einer anderen Stadt in Deutschland. Nicht umsonst beginnt hier die Romantische Straße.

Was gibt es hier zu sehen?

Als Hauptzeuge der langen Besiedlungsgeschichte Würzburgs thront die imposante Festung hoch oben auf dem Marienberg. Über Jahrhunderte wurde die Anlage zur Residenz der Fürstbischöfe und zum Bollwerk gegen Unbill von außen ausgebaut. Wie von einem Magneten angezogen sucht der Blick immer wieder den Kontakt zu diesem weitläufigen Baukomplex, der u.a. die zweitälteste erhaltene Kirche Deutschlands beherbergt. Kaum ein Besucher, der die Stadt erst wieder verlässt, wenn er den Marienberg erklommen und das unvergleichliche Panorama von oben auf die vieltürmige Stadt andächtig genossen hat.

Der zweite steinerne Zeuge, die Alte Mainbrücke mit ihren 12 überlebensgroßen Heiligenfiguren, verbindet die beiden Mainseiten. Für den motorisierten Verkehr gesperrt, dient das malerische Bauwerk als Flaniermeile für Aussichtssüchtige und Romantiker. Von hier aus hat man fast alle großartigen Sehenswürdigkeiten im Blick und kann sich das Flair vor dem verheerenden Feuersturm des 16. März 1945 vorstellen, als innerhalb von 17 Minuten eine der wohl schönsten Städte Europas dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Ein Modell der zerstörten Stadt und viele Fotos und Beschreibungen aus dieser Zeit kann man im Grafeneckart, dem erhaltenen mittelalterlichen Stadtpalais und markantesten Teil des Rathauses, als Dauerausstellung betrachten. Ein weiteres befindet sich im 2. Obergeschoß des Fürstenbaumuseums auf der Festung Marienberg.

Würzburg ist Bischofs- und Residenzstadt. Die großen Kirchen Würzburgs – fast alle katholisch – zählen zu den bedeutendsten klerikalen Bauten Deutschlands. Der Dom wurde in alter Pracht – im Baustil romanisch, innen barock ausgestaltet – ebenso wieder aufgebaut wie die benachbarte Neumünsterkirche und eine ganze Reihe weiterer die Stadtsilhouette prägende Baudenkmäler. Beim Besuch des Doms, der viertgrößten romanischen Kirche Deutschlands, lohnt besonders der Blick in Krypta und Kreuzgang.

Dass sich gerade in Würzburg eine Prachtentfaltung wie kaum irgendwo sonst entwickeln konnte, liegt in erster Linie an zwei bedeutenden Persönlichkeiten: Julius Echter von Mespelbrunn baute während seiner mehr als 40 Jahre dauernden Regentschaft als Fürstbischof die Stadt zum geistlichen und durch die Wiederbegründung der Universität auch zum geistigen Zentrum aus. Als wohl berühmtester Würzburger gilt Balthasar Neumann, dessen großartige Barockarchitektur im Bau der Würzburger Residenz gipfelt, die sich seit 1981 in der Welterbeliste der Unesco findet.

Kulturinteressierte finden in Würzburg eine Fülle weiterer Kostbarkeiten. Im Mainfränkischen Museum können sie u.a. die weltweit größte Sammlung von Werken des Holzbildhauers Tilman Riemenschneider besichtigen, der hier einen Großteil seines Lebens verbrachte und ebenfalls bereits zu Lebzeiten große Bedeutung erlangte.

Weitere Museen mit bedeutenden Sammlungen (Museum Kulturspeicher, Museum am Dom, Fürstenbaumuseum, Sieboldmuseum, Röntgengedächtnisstätte, Martin-von-Wagner-Museum, Prothesensammlung Second Hand, Mineralogisches Museum u.a.) festigen den Ruf Würzburgs als Kulturmetropole ebenso wie die zahlreichen Musik- und Theaterangebote. Hier ist immer etwas los: Stadtfest, Kneipenfestival, Africa Festival, Mozartfest, um nur wenige zu nennen, prägen den Charakter Würzburgs als lebendige und lebensfrohe Stadt.

In und um Würzburg finden sich gepflegte, aber auch nahezu unberührte Naturräume. Die Lebensader Main sorgt für einen steten Fluss, der Mensch und Natur zu beflügeln scheint. Bereits zum zweiten Mal wird Würzburg im Jahr 2018 die Landesgartenschau ausrichten und dabei zu bildhaft neuer Blüte geraten.

Last but not least liegt die Anziehungskraft Würzburgs auch an dem Kulturgut, dem die Stadt mehrseitig zu Füßen liegt: dem Wein. Im Stadtbereich finden sich mit die wertvollsten Lagen fränkischen Weines. Der Wein vom Würzburger Stein war bereits vor Jahrhunderten das Synonym für den Frankenwein und ist heute zur weltweit begehrten Marke avanciert. Nicht umsonst zählen die drei großen Würzburger Weingüter, der Staatliche Hofkeller, das Bürger- und das Juliusspital zu den größten Weingütern Deutschlands. Aber auch kleinere Betriebe wie etwa das markante Weingut am Stein bringen regelmäßig preisgekrönte Spitzenweine hervor.

Die vielen Weinfeste in und um Würzburg ziehen die Menschen auf allen Wegen in diese freundliche Region. Die modernen Wallfahrer sind hierbei vor allem per Pedes am Main entlang unterwegs. Überhaupt gibt es für körperlich aktive Menschen ein schier unerschöpfliches Angebot, die Freizeit zu gestalten.

Aus dem Zusammenspiel der günstigen Voraussetzungen zählen die Würzburger zu den aufgeschlossensten und freundlichsten Exemplaren der Spezies Franke. Willkommen sein ist in Würzburg keine Floskel. Der seit Jahrhunderten andauernde Besucherstrom hat die Weltoffenheit in Würzburg zur Selbstverständlichkeit und den als typisch unnahbaren Frankenmenschen zur Ausnahme werden lassen. Dies spüren auch die Gäste in den zahlreichen gastronomischen und Beherbergungsbetrieben. Neben typischen fränkischen Weinstuben und Restaurants haben sich in Würzburg innovative Gastronomen unterschiedlichster Küchenrichtungen etabliert und bieten den Gästen die ganze Bandbreite des guten Geschmacks.

Würzburg ist trotz der Betonung des historischen Erbes eine moderne Stadt. Universität, High-Tech-Unternehmen und ein reger Handels- und Dienstleistungssektor präsentieren sich gemäß dem Puls der Zeit und sorgen dafür, dass Würzburg auch als Arbeits- und Wohnort begehrt ist und bleibt.

Teilen: