Second Hand - Würzburger Prothesensammlung

Seit März 2010 besitzt Würzburg ein weiteres bemerkenswertes Museum, das gleichermaßen Fachleute, Laien und ganze Schulklassen anspricht, befasst es sich doch mit einem Thema, das jeden Menschen unmittelbar oder mittelbar betreffen kann.

Die Sammlung entstand durch die Rücknahme von Prothesen und Hilfsmitteln, die nicht mehr von den Benutzern gebraucht wurden. Über Jahrzehnte sammelten sich die unterschiedlichsten Exponate an, die in beeindruckender Weise die Weiterentwicklung der Prothetik dokumentieren.

Neben zahlreichen Exponaten aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg wird auch die Geschichte der Prothetik von ca. 600 v. Chr. bis heute beleuchtet. Belegt wird die Früh-Prothetik durch Stiche und Gemälde aus früheren Zeiten. Der Mensch hat in jeder Ära versucht sich zu helfen, oft mit einfachsten Mitteln.

Die Heine-Familie, Johann Georg Heine, der Vater der Orthopädie und sein Neffe Bernhard Heine, der Erfinder des Osteotoms, begannen ihre Karrieren in Würzburg. Durch sie wurde Würzburg zur Wiege der
modernen Orthopädie und ist heute noch Standort der Orthopädischen Versorgungsstelle (OVSt) im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) für die Regionen Mittelfranken, Oberfranken und Unterfranken.

Von Rollstühlen über Gehhilfen und Stöcke bis hin zum Modularbein der neueren Zeit finden sich Ausstellungsstücke in der Sammlung. Nicht nur Beinprothesen, auch Armprothesen, Orthesen und Korsette sowie orthopädische Leisten, Schuhe und Kniegelenke können besichtigt werden.

Bei den Orthesen merkt man, wie stark die moderne Prothetik jeden betrifft. Wer kennt nicht die ein oder andere Orthese von der eigenen Sportverletzung.

Die Sammlung belegt eindrucksvoll die enormen Entwicklungsschritte der Prothetik gerade im letzten Jahrhundert, als durch die Weltkriege ein ganz neuer Bedarf entstand.

Vom Hörrohr im 17. Jahrhundert bis zum heutigen Mini-Hörgerät war es zwar ein langer Weg, aber vom ersten Hinter-dem-Ohr-Gerät bis zu den heutigen Im-Ohr-Geräten dauerte es gerade mal 50 Jahre.

Andere Erfindungen, wie die Blindenschrift von Louis Braille, auch Braille-Schrift genannt, haben bis heute ihre Gültigkeit behalten. Die moderne Technik ermöglicht den Einsatz der Braille-Schrift am Computer; spezielle Brailledrucker bringen den Text zu Papier.

Prothetik bietet nicht nur Hilfsmittel für Handicaps, Prothetik kann auch eine kosmetische und damit psychologisch wertvolle Funktion haben. Am Beispiel der Glasaugenproduktion sieht man die Präzision und Kunstfertigkeit der Hersteller.

Die Ausstellung gibt neben der reinen Information auch die Möglichkeit der Selbsterfahrung: ein Experimentierfeld für jedermann, der nachvollziehen möchte, wie Prothetik helfen kann.

Hinter jedem Exponat steckt auch die Geschichte eines Menschen. So kann man sich an der Mediawand über die Problematik einzelner Betroffener informieren. Sie erzählen über ihr Leben mit einer Prothese, über Schwierigkeiten und Erfolge sowie über Möglichkeiten, durch die Prothese ein Stück weit Normalität zu erreichen.

 

Zentrum Bayern Familie und Soziales
Region Unterfranken
Georg-Eydel-Str. 13
97082 Würzburg

Verkehrsverbindungen:
Straßenbahn 2, 4 - Haltestelle Neunerplatz
Bus 22 - Haltestelle Versorgungsamt
Parkmöglichkeiten im Innenhof oder auf dem Talavera-Platz

 

Zurzeit sind nur geführte Besichtigungen mit fachkundiger Begleitung möglich. Vereinbaren Sie einfach einen Termin unter 0931 - 4107-107. Der Eintritt ist frei.

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