Riesengebirgsstube

Modell des Ringplatzes von Trautenau

"Heimat ist da, wo Erinnerungen im Herzen gewachsen sind".

Um die Erinnerung an die Heimat wach zu halten, erstellte Franz Müller in mühseliger Kleinstarbeit ein Relief von Nordostböhmen. Auf dem Relief ist Trautenau, das Tor zum Riesengebirge, mit seinen umliegenden Ortschaften sehr deutlich zu erkennen, wie auch die Schneekoppe mit einer Höhe von 1603 m. Entlang des Gebirges zieht sich der Kamm, der ca. 25 km lang ist und auch bewandert werden kann. Die Grenze zum heutigen Polen verläuft auch auf diesem Kamm.

In einem weiteren Schaukasten ist die Nachbildung des Ringplatzes von Trautenau zu sehen. Unter den für den Habsburger Baustil typischen Arkaden kann man auch heute noch um den ganzen Platz gehen, ohne nass zu werden. In der Mitte des Ringplatzes grüßen der Rübezahlbrunnen und die hohe Dreifaltigkeitssäule (1704).

In einem großen Bücherschrank steht eine Sammlung von Dokumentationen der Turnvereine aus Stadt und dem Landkreis Trautenau mit original Bildern und Ehrenzeichen, Büchern über den preußisch-österreichischen Krieg 1866, die sudetendeutsche Geschichte und Landschaftsbüchern vom Riesengebirge und vielem mehr.

Das Hospital von Kukus war die Lieblingsresidenz des Grafen Franz Anton von Sporck. Dort können heute eine Apotheke aus dem 18 Jahrhundert, die Figuren der Tugenden, Laster und Seligkeiten von Matthias Braun, dem Lehrmeister von Ferdinand Tietz, besichtigt werden. Kukus war ein kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt.

Bilder bedeutender Personen zeigen:

- Dr. Josef Mühlberger, der als der "Adalbert Stifter des Riesengebirges" charakterisiert wird, trat bereits Ende der 20er Jahre mit einer Reihe von Werken an die Öffentlichkeit, in denen sich lyrische Begabungen mit der Gestaltungskraft des Dramatikers und der Erzählkunst des Novellisten vereinten.

- Richard Popp, Prälat in Trautenau, galt auf Grund seiner caritativen Arbeit Anfang der 30er Jahre als "Arbeiterpriester". Richard Popp wurde 1945 verhaftet und leistete zusammen mit anderen Priestern in einem tschechischen Konzentrationslager Zwangsarbeit unter erschwerten Bedingungen.

- Igo Etrich, 1879 in Oberaltstadt/Trautenau geboren, Er konstruierte und baute die "Etrich Taube". Diese wurde, dank des von Ferdinand Porsche speziell für die Taube konstruierten Flugzeugmotors, das erfolgreichste Flugzeug der Pioniertage der Luftfahrt. In der Riesengebirgsstube ist eine maßstabgetreue Nachbildung der Etrich Taube zusammen mit Dokumentationen über sein Leben und Wirken ausgestellt. Zu Ehren von Igo Etrich wurde ein Gedenkstein am Schenkenturm eingeweiht.

- Gustl Berauer, 1912 im Riesengebirge geboren, war der erfolgreichste Wintersportler und hat 1936 für die Tschechoslowakei an den Olympischen Winterspielen mit Erfolg teilgenommen und in den Folgejahren weitere Preise gewonnen.

- Emil Schwantner, 1890 – 1956, prägte am stärksten und am nachhaltigsten als Bildhauer das künstlerische Leben der Stadt zwischen den Weltkriegen. Hauptwerk Schwantners wurde das 1932 im Trautenauer Stadtpark aufgestellte Kriegerdenkmal. Es war alles andere als ein Heldendenkmal. Es war ein Todesreigen preisgegebener Soldaten in trichterförmiger Gruppierung, als reiße eine Granate die sich aneinanderklammernden Soldaten auseinander. In ihm war das Motiv des mittelalterlichen Totentanzes mit bestürzender Ausdruckskraft dargestellt. Im 2. Weltkrieg wurde das Denkmal, das in seiner Thematik der NS-Ideologie nicht entsprach, abgebrochen und eingeschmolzen. Lediglich die Bronzetafeln mit den Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen Trautenauern konnten 1948 durch glücklichen Zufall in Hamburg gerettet werden und wurden schließlich im Husarenwäldchen gegenüber der Würzburger Residenz aufgestellt.

An Brauchtum und Tradition erinnern die nachgebildete Riesengebirgsstube, original Trachten, Schlitten, Skier und alltägliche Gebrauchsgegenstände und vieles mehr. In der Rübezahl-Ausstellung finden sich Bücher mit den unterschiedlichsten Darstellungen des Berggeistes Rübezahl, der als Herrscher und Hüter gilt und schon im 15. Jahrhundert von dem Chronisten Simon Hüttel erwähnt und aufgezeigt wurde. Bilder und Gemälde zeigen seinen Wirkungsbereich. Eine Anekdote erzählt, dass der Berggeist Rübezahl sogar bei der Patenschaftsübernahme 1956 seinen Schabernack getrieben hat. Er soll das Giemaul in Heidingsfeld um Mitternacht zum Schweigen gebracht haben. Das Kostüm, einer Mutter, die mit ihren drei Kindern vertrieben wurde, und der Koffer mit dem original Inhalt der wenigen Gegenstände, die man mitnehmen durfte, soll an die Schicksalstage der Vertreibung erinnern. Zahlreiche Bücher zu diesem Thema liegen zur Ansicht aus.

Integration: Die Übernahme der geschlossenen Patenschaft vom 27. Juni 1956 zwischen Würzburg und den aus Stadt und Landkreis Trautenau Vertriebenen wird durch die ausgestellte Urkunde dokumentiert.

Versöhnung: Durch die Übernahme der Partnerschaft zwischen Würzburg und Trutnov im Jahr 2008 kann auch die Versöhnung dokumentiert werden.

Aktuell wird das Material der Ausstellung – Vertreibung – Integration - Versöhnung in die Riesengebirgsstube als Dauerausstellung mit aufgenommen.


Adresse und Öffnungszeiten:

Sie finden die Riesengebirgsstube in der Neubaustraße 12, im Barockensemble der Greissinghäuser, im 3. Stock. Besichtigt werden kann sie auf Anfrage beim Stadtarchiv, das im selben Gebäude im 1. Stock angesiedelt ist.

Öffnungszeiten des Stadtarchivs:
Mo - Do 8-16 Uhr
Fr 8-12 Uhr

Tel. 0931/373111

Ausschnitt aus dem reichhaltigen Ausstellungsmaterial in der Riesengebirgsstube
Reliefdetail des Riesengebirges


Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau e.V.


Sitz und Zentrale der Riesengebirgler aus dem Heimatkreis Trautenau ist Würzburg. 1000 Mitglieder, unter anderem in Frankreich, Italien, Schweden, Australien und USA zählt der Verein, der 1948 gegründet wurde. In der Stadt sowie im Landkreis Würzburg sind ca. 200 Mitglieder mit ihren Familien ansässig.

Am 1. Dezember 1956 übernahm die Stadt Würzburg die Patenschaft für die aus Stadt und Landkreis Trautenau Vertriebenen. Diese Patenschaft geht auf einen einstimmigen Beschluss des Würzburger Stadtrates vom 27. Juni 1956 zurück. Die Urkunde, auf Ziegenleder ausgefertigt, wurde in einer Feierstunde am 1. Dezember 1956 im Wenzelsaal des Rathauses dem damaligen Vorsitzenden und ehemaligen Bürgermeister von Trautenau, Alfons Kolbe, übergeben. Die Städte-Patenschaft geht auf eine Vereinbarung des Deutschen Städtetages und des Bundes der Vertriebenen aus dem Jahre 1954 zurück. Demnach sollten die vertriebenen Deutschen nicht nur Wohnung und Arbeit erhalten, sondern ihnen sollte das Gefühl vermittelt werden, eine neue Heimat gefunden zu haben. Auch das gegenseitige Verständnis zwischen Vertriebenen und Einheimischen sollte damit gefördert werden. Heute ist die Patenschafts-Urkunde in der Riesengebirgsstube, Neubaustr.12, in Würzburg zu sehen, die im Jahr 1981 dem Heimatkreis überlassen wurde. Dort können neben einer alten Sudetendeutschen Bauernstube Gebrauchsgegenstände, Handwerkszeug, Bilder, Fotos, Trachten, Bücher und Landkarten aus der alten Heimat besichtigt werden. Aktuell wird die Ausstellung "Vertreibung - Integration - Versöhnung - 65 Jahre Heimatkreis", die in der Sparkasse Mainfranken bereits im Dezember präsentiert wurde, zu sehen. Die Riesengebirgsstube ist auf Anfrage im Büro des Stadtarchivs zu besichtigen.

Ziel des Heimatkreises Trautenau ist es vor allem, den Kontakt der weltweit lebenden Vertriebenen aus Stadt und Landkreis Trautenau aufrecht zu erhalten. Jedes Jahr kommen noch viele ehemaligen Landsleute zum Heimatkreisreffen in die Stadt Würzburg.

Nach zehn Jahren Vorbereitung wurde am 6. Dezember 2008 in Trautenau/Trutnov der Partnerschaftsvertrag zwischen den Städten Trutnov/Trautenau und Würzburg durch die Bürgermeister Ivan Adamec und Georg Rosenthal unterzeichnet.

Die Gründung der Stadt Trautenau geht auf das Jahr 1006 zurück. Um dem Räuber-Unwesen in der damaligen Zeit entgegenzutreten, sandte der böhmische Herzog Udalrich den Ritter Albrecht von Trautenberg aus, der tatsächlich für Frieden sorgen konnte. Als Anerkennung wurde ihm die Erlaubnis erteilt, eine Stadt zu gründen, die seinen Namen trug. Nach dem Stand von 1939 umfasste der Landkreis Trautenau 610,6 Quadratkilometer mit 100 Gemeinden und den Städten Trautenau, Freiheit, Pilnikau und Schatzlar. In 23.762 Haushalten lebten 73.376 Deutsche, die im Jahre 1946 zum Großteil vorwiegend nach Süddeutschland vertrieben wurden.

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