Rathaus mit Grafeneckart

Auf dem Weg  von der Alten Mainbrücke zum Dom passiert man rechts den Vierröhrenbrunnen und links gegenüber das Rathaus, welches aus mehreren Gebäudeteilen besteht.

Der älteste Teil wurde als mittelalterlicher Geschlechterturm erstmals 1180 erwähnt, benannt nach dem bischöflichen Schultheißen und Vize-Burggrafen "Eggehardus", der hier residierte. Aus diesem Grund nennt man das diesen Teil des Rathauses im Volksmund "Grafeneckart".

1256 wird in Würzburg das erste Mal ein städtischer Rat erwähnt, der im Jahr 1316 diesen Gebäudeteil als sichtbares Zeichen bürgerlichen Unabhängigkeitsstrebens gegenüber dem bischöflichen Landesherrn erwarb.

Das Gebäude verfügt über einen romanischen Turm, der den um 1200 entstandenen Ratssaal (Wenzelsaal) beherbergt. Es ist der einzige erhaltene Profanbau der Stauferzeit, Würzburgs erster Blütezeit. Hier wurde im Jahr 1399 König Wenzel, der Würzburg für kurze Zeit die Reichsfreiheit verlieh, von den Ratsherren empfangen.

Schon 1359 hatte man eine gotische Ratskapelle hinter dem Grafeneckart gebaut, und Mitte des 15.Jahrhunderts brachte man den mit Helm und Uhr geschmückten Turm auf seine jetzige Höhe von 55 m.

Im 15.Jahrhundert bereicherte man den Wenzelsaal mit einem malerischen Erker und gegen Ende des 16.Jahrhunderts wurden über dem Saal im Stil der fränkischen Renaissance die beiden Stockwerke aufgesetzt.

Nach Westen schließt sich an den Grafeneckart der 1659/60 im Stil der Spätrenaissance errichtete Rote Bau an. Das nördlich gelegene ehemalige Karmeliterkloster wurde im 19. Jahrhundert von der Stadt erworben, um das Rathaus zu erweitern.

Der Grafeneckart und die Giebelfront des Roten Baus blieben zum Glück beim Bombenhagel des 16. März 1945 unbeschadet und so konnte bereits 1949 der Rat schon wieder in seinen Sitzungssaal im Roten Bau zurückkehren.

1986 wurde dann der an den Roten Bau anschließende Flügel vollendet. Er beherbergt den neuen Ratssaal. Die monumentalen Fresken von Wolfgang Lenz an den Saalwänden zeigen hier wichtige Personen und Ereignisse aus der Geschichte Würzburgs.

Seit nun über 750 Jahren befindet sich der Würzburger Ratskeller in diesem Gebäude im Herzen der Stadt. Besonders sehenswert ist der reich verzierte Innenhof. Auch heute kann man sich noch gut vorstellen, wie in diesem Ambiente Tilman Riemenschneider mit den Ratsherren der Stadt einst saß oder der Fürstbischof zu Gast war.

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